Island ist in Bezug auf Essen und Trinken ein ganz besonderes Land, das habe ich bereits bei der Ankunft 2013 an der ersten Busstation festgestellt: In einer Vitrine eines kleinen Restaurants stand eine weiße Plastikschale umhüllt mit Frischhaltefolie – darin ein Kopf, dessen Auge den Betrachter förmlich anstarrte. Was uns da so anstarrt, nennt sich svið: ein abgesengter, gekochter Schafskopf und eine isländische Spezialität noch dazu. Die etwas gewöhnungsbedürftige Spezialität kommt noch aus jenen Zeiten, als das Klima noch recht rau und die Winter lang waren. Um genug Nahrung zu haben, wurde einfach alles Essbare verwertet. So auch der Kopf, der uns den ersten Hinweis darauf gab, dass das Essen in Island alles andere ist, als ’normal‘.

Schafskopf und Lammfleisch

Svið ist auf jeden Fall etwas für die Mutigen unter uns. Verspeist wird nämlich der ganze Kopf – dabei zählen vor allem die Augen als besondere Delikatesse. Den Schafskopf gibt es überall im Supermarkt zu finden. Überhaupt gibt es in Island sehr viel Fleisch zum Essen, besonders beliebt sind Schafe und Lammfleisch und das – wie sich bereits feststellen lies – in allen denkbaren Varianten. Die Isländer halten das Fleisch für besonderes schmackhaft, da Schafe in Island sehr große Freiheit genießen und alles abgrasen, was sie in der Natur finden. Außerdem gibt es auf Island beinahe genauso viel Schafe wie in Irland.

Lammfleisch Island

Lammfleisch Island

Hákarl – der berühmte Gammelhai

Bevor wir die Reise antraten, habe ich mich im Reiseführer und auf diversen Internetseiten informiert, welche isländische Spezialitäten es neben Fleisch noch so gibt. Und es gibt sehr viele. Die bekannteste und zugleich berüchtigste ist Hákarl – umgangssprachlich „vergammelter Hai“. Natürlich habe ich mich auch daran getraut. Serviert wird die Delikatesse in einem zugeschraubten Glas. Als ich es öffnete, konnte ich direkt riechen warum: ein beißender, stechender Geruch, der in etwa mit altem, zu lange liegengebliebenem Käse vergleichbar ist. Und das sollte ich jetzt essen? Der Geschmack ist übrigens dann immer noch käsig – aber nicht ganz so schlimm.

Die Delikatesse Lobster Soup und weiteres Seafood

Wer das etwas merkwürdige Geschmackserlebnis meiden möchte und etwas mehr Kronen in der Tasche hat, der kann in eines der zahlreichen Restaurants einkehren, die Lobster Soup,  aber auch weitere spezielle Seafood-Gerichte anbieten. Wenn man auf einer Insel wie Island lebt, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Isländer mit Spezialitäten aus dem Meer auskennen. Das Restaurant, das im gleichen Atemzug, wie Lobster Soup genannt wird, ist das Fjöruborðið in Stokkseyri. Leider habe ich es bei keinen der beiden Island-Aufenthalten geschafft, diese Suppe zu probieren. Andere Meeressäuger, wie der Wal oder einst auch Robben, kommen übrigens auch gelegentlich auf den Teller. Dies ist allerdings sehr umstritten und man sollte die Finger davon lassen, wenn einem das schlechte Gewissen dabei plagt.

Seafood in Island

Seafood in Island

Burger und Hotdogs: Fast Food in Island

Natürlich hat längst auch die Moderne in Islands Küche eingezogen. Und eines Sache können die Isländer richtig gut: Fast Food. Denn das ist nicht gleich dem, was wir in Deutschland darunter verstehen. Isländer essen zwar auch sehr gerne Burger, aber nur ihre eigenen. Eine namhafte Fastfood-Kette musste so bald ihre Tore schließen, da die Isländer keinen Umsatz brachten. Wir haben uns gerne dem Genuss von einem selbstgemachten, liebevoll hergerichteten Burger hingegeben. Mein Favorit ist übrigens der Special-Burger im Halldorskaffi in Vík y Mýrdal.

Außerdem sind die Isländer auch Liebhaber von Hot Dogs. Eine der berühmtesten Hot-Dog-Buden ist Bæjarins Beztu Pylsur im Herzen Reykjaviks. Sie ist so berühmt, dass sich sogar Bill Clinton, ebenso wie James Hetfield, Sänger von Metallica, dort ein Würstchen gönnten. Wer abends am Flughafen warten muss, der muss auch auf den Hot Dog nicht verzichten und kann seine letzten Kronen aufbrauchen.

Skyr als Nachspeise

Als Nachspeise und als stärkender Snack zwischendurch steht bei den Isländern Skyr hoch im Kurs – eine Mischung aus Quark und stichfestem Jogurt. Mittlerweile auch in Deutschland erhältlich. Früher war dieser eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Isländer, aber auch heute noch hat das Traditionsmilchprodukt einen hohen Stellenwert. Skyr schmeckt ein bisschen wie Fruchtzwerge, aber doch ein bisschen anders.

Rezept für eine Skyr-Torte

Aus Skyr lässt sich übrigens auch ein guter Kuchen backen. Da ich bereits 2013 in Island unterwegs war, gab es bis dato noch keinen Skyr in Deutschland zu erwerben, deswegen habe ich versucht, mit einheimischen Produkten ein Skyr-ähnliches Produkt herzustellen.

Für den Boden:

  • 2 Packungen Biskuitstangen
  • 1 Packung Butterkekse200 g Butter (flüssig)

Für die Torte:

  • 250 ml Sahne
  • 1 Packung Sahnesteif
  • 400 g Jogurt
  • 200 g Quark
  • 6 Becher Fruchtzwerge

oder:

  • 250 ml Sahne
  • 1 Packung Sahnesteif
  • 500g Skyr (natur)
  • 200g Skyr (Früchte)

Zur Dekoration:

  • Heidelbeeren

Für den Boden die Biskuitstangen und die Butterkekse in eine Gefriertüte geben und mit dem Nudelholz zerkleinern. Die Masse zur bereits flüssigen Butter dazugeben. Je nach Konsistenz noch Butter oder Brösel hinzugeben. Form einfetten und die Butter-Keks-Masse fest eindrücken. Die Masse soll einen stabilen und undurchlässigen Boden für die Torte ergeben.

Während der Boden im Kühlschrank erkältet, Sahne mit Sahnesteif aufschlagen, Jogurt, Quark und Fruchtzwerge hinzugeben. Das Ganze kräftig mischen, auf den Tortenboden verteilen und bis zum Verzehr in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren mit Heidelbeeren dekorieren und fertig ist der selbstgemachte Skyr-Kuchen.

Cafe Flora Reykjavik (Foto: Sabina Schneider)

Cafe Flora Reykjavik (Foto: Sabina Schneider)

Entdecke weitere Isländische Spezialitäten

Tatsache ist, Island hat viel hinsichtlich Kulinarik auf Lager. Noch viel mehr, als ich in der kurzen Zeit testen konnte. Hört euch ein wenig um und fragt die Einheimischen selber – die wissen am besten Bescheid. Essen in Island gehen, kann ziemlich teuer werden – auch hier hilft es wieder, vor allem junge Leute zu fragen, wo man hingehen kann. Ein spezieller Tipp noch zum Schluss: Geht’ einmal ins Café Flora im Botanischen Garten in Reykjavik und probiert dort die Tagessuppe.