Ich muss ehrlich gestehen: Als ich an einem Samstag in Windhoek angekommen bin, stand die Stadt still. Auch am Folgetag: Keine Menschenseele weit und breit, nur ein paar Autos sausen am Hostel vorbei und hupen. Windhoek ist am Wochenende eine sehr ruhige Stadt, unter der Woche sind die Straßen voll, meistens mit hupenden Taxis.
Fast drei Monate habe ich in der namibischen Hauptstadt gewohnt. Anfangs sehr skeptisch, da die Stadt anders war, als erwartet. Sie ist viel ruhiger und entspannter, als man von einer Hauptstadt erwartet. Außerdem ist Windhoek für die meisten Touristen nur Start- und Endpunkt ihrer Touren in die wunderschöne Landschaft Namibias. Ein paar Tage in Windhoek reichen den meisten völlig aus. Aber man kann trotzdem einiges in Windhoek erleben. Deshalb habe ich euch zehn Dinge herausgesucht, die man in Windhoek unbedingt machen sollte.

Spaziergang durch die Stadt

Die Innenstadt Windhoeks kann leicht zu Fuß erkundet werden. Hierbei passiert man die Independence Avenue bis hin zur Christuskirche, dem Wahrzeichen der Stadt. Ebenso leicht erreichbar sind das Reiterdenkmal und der Tintenpalast. Wer den Tintenpalast, ein deutscher Bau, sehen möchte, der muss sich informieren, da es zur Zeit (Stand Mai 2016) Diskussionen gibt, ob der Bau abgerissen werden soll. Direkt hinter der Christuskirche befindet sich zudem ein eher befremdlicher Bau. Das etwas merkwürdige Gerüst ist ein Museum über die Geschichte Namibias. Entworfen und gebaut wurde das Gebäude von den Nordkoreanern, da Namibia eine sehr enge Beziehung zu diesem Land pflegt.

Christuskirche Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Christuskirche Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Ein Besuch im Township Katutura

Katutura heißt übersetzt in etwa Der Platz, an dem wir nicht leben möchten. Nordwestlich der Stadt Windhoek gelegen, tummeln sich hier nur so die Hütten und die Menschen. Geschätzte 100.000 Menschen leben dort, vielleicht aber auch mehr. Während der Apartheid versuchte das „weiße Windhoek“ die Schwarzen von der Stadt fernzuhalten. So entstand ein Vorort, ein Township, mit eigener Infrastruktur, Schulen und einem Krankenhaus. Noch heute sieht man Spuren der Vergangenheit: Betrachtet man die Häuser, so steht entweder ein D oder ein H vor der jeweiligen Hausnummer. D steht für Damara und H für Herero, die beiden größten Bevölkerungsgruppe in Katutura.

Einen Besuch sollte jeder einmal dem immer größer werdenden Township abgestattet haben. Die Menschen dort sind (unseren Erfahrungen nach) sehr freundlich. Außerdem lohnt sich ein Besuch bei den sogenannten Kopanas. Das sind Fleischmärkte, auf denen man frisch zubereitetes Fleisch vom Grill essen kann.

Katutura Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Katutura Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Man versucht heute zudem, benachteiligte einheimische Frauen zu unterstützen. Dafür wurde das Penduka Trust gegründet. Dort haben die Frauen, die Möglichkeit handwerklich tätig zu sein und stellen mit diversen Materialien Kunstgegenstände her. Vor Ort gibt es ein schönes Restaurant mit Blick auf den Goreangab-Damm, ebenso wie kleine einfache Hütten, in denen man übernachten kann. Interessant: Katutura ist Filmkulisse für den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2016 gewesen.

Katutura Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Katutura Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Craft Market und Cafe Craft in Windhoek

Wer nicht unbedingt bis nach Katutura fahren möchte, oder wenig Zeit hat, um handgemachte Kunstwerke zu ersteigern, der kann zum Craft Market in der Talstrasse gehen. Das Gebäude war einst ein Brauereigebäude, dient heutzutage aber als Kunstmarkt, der kunsthandwerkliche Waren anbietet. Die Auswahl ist dabei riesig. Wer nicht unbedingt was kaufen möchte: Das Durchstöbern ist ebenfalls ein tolles Erlebnis. Nach der Tour durch das Gebäude, lädt die Terrasse des Cafe Crafts zum Verweilen ein. Dort gibt es leichte Gerichte und exotische Speisen. Wenn die Nacht zum Tag wird, verwandelt sich der Hinterhof in eine Partylocation und es wird dort ordentlich gefeiert.

Craft Market Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Craft Market Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Führung in der Brauerei Windhoeks

An einer Führung, das muss ich gestehen, habe ich nie teilgenommen. Das liegt daran, dass die Führungen immer nur wochentags stattfanden und ich da immer in der Arbeit war und es deswegen nie geschafft. Dennoch hatte ich die Möglichkeit, die Brauerei auf der TourismExpo 2016 in Windhoek kennenzulernen. Dort wurde auch ein Teil der Ausstellung aufgebaut, welche sich auch im Brauereiwerk befindet. Wenn man die Zeit hat, ist eine Führung in der Brauerei allerdings zu empfehlen. Das Windhoek Lager ist schließlich eines der bekanntesten Biere Afrikas.

Windhoek Lager (Foto: Sabina Schneider)

Windhoek Lager (Foto: Sabina Schneider)

Sundower auf der Hilton Terrasse

Immer, wenn ich in einer neuen Stadt bin, will ich sie von oben sehen. Zum einen, weil ein Blick über eine Stadt ist immer ein Erlebnis ist, zum anderen, weil man dadurch eine gute Orientierung bekommt. In Windhoek geht das vom Hilton Hotel aus. Ich war einige Male in die Skybar und habe mir einen Sundowner gegönnt und die Stadt aus der Vogelperspektive kennengelernt. Ein gelungener Abschluss für einen langen Tag.

Joes Beerhouse: der Klassiker in Windhoek

Joes Beerhouse ist ein Muss für alle Besucher. Das urige Wirtshaus hat nicht nur afrikanische Leckerbissen, sondern ist schon fast ein Museum. Überall gibt es was zum Entdecken, sei es, die vielen leeren, signierten Jägermeisterflaschen, der Hirschkopf, oder eine alte Toilette direkt am Eingang. Das Restaurant bietet für Jeden etwas: von Springbok, über Kudu, Schwertfisch bis hin zu vegetarischen Gerichten. Das Schöne am Restaurant ist zudem, dass sich hier Touristen unter die Locals mischen, da auch Einheimische gerne zu Joes gehen.

Warehouse Theater und Goethe-Institut

Wer etwas namibische Kultur erleben oder einen lokalen Künstler live performen sehen will, der begibt sich ins Warehouse Theater, direkt neben dem Craft Market. Dort treten oft regionale oder Künstler aus den Nachbarländern auf. Außerdem gibt es dort jede Woche an zwei Abenden Karaoke. Im Goethe-Institut gibt es ebenfalls immer wieder Veranstaltungen, meistens sind es Filmscreenings von deutschen Filmen.

Okapuka Game Drive

Wer nur kurz in Namibia ist und nicht die Zeit hat, in den Etosha Nationalpark zu fahren, dem sei der Okapuka Game Drive ans Herz gelegt. Eine knappe halbe Stunde von Windhoeks Innenstadt entfernt liegt die kleine Ranch. Angeboten werden unter anderem ein Game Drive und eine Löwenfütterung. Wer länger verweilen möchte: Die Ranch bietet auch Unterkünfte an, sowie Wellnessanwendungen und eine gemütliche Bar.

Heroe’s Acre

Bevor Namibia 1990 unabhängig wurde, gab es sehr viele Aufstände und Kämpfe. Den tapferen Helden dieser Auseinandersetzung wurde mit diesem riesigen Denkmal, etwas oberhalb der Stadt, gedankt. Einer dieser Helden war Hosea Kutoka, nach dem auch der internationale Flughafen Windhoeks benannt wurde. Das Areal des Heldenackers sowie der architektonische Bau, wurde ebenfalls von den Nordkoreanern entworfen und gebaut. Eröffnet wurde der Heroe’s Acre 2002 von dem damaligen Präsidenten und Gründungsvater Sam Nujoma.

Heldenacker Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Heldenacker Windhoek (Foto: Sabina Schneider)

Shopping-Malls

Ich gebe zu, Shopping Malls versuche ich auf  Reisen zu vermeiden. In Windhoek geht das aber kaum. In Namibia entsteht seit den letzten Jahren eine Mittelschicht, die sehr konsumfreudig ist. Shoppingcenter schießen nur so aus dem Boden. Außerdem ist es in der Innenstadt oft die einzige Möglichkeit, in einem Supermarkt einkaufen zu gehen. Die Mall in der Stadt ist der Wernhillpark, am Ende der Independence Avenue liegt die Maerua Mall und etwas weiter außerhalb die Grove Mall. Das sind die drei größten Malls in Windhoek. Und wer die Menschen auf der Straße vermisst, der muss nur einmal in einer dieser Malls gewesen sein und weiß danach, wo die ganzen Namibier sind.

Auch wenn Windhoek auf den ersten Blick nicht ganz so vibrierend wirkt, habe ich die Stadt dennoch in meinen knappen drei Monaten von ihrer interessanten Seite kennengelernt. Allgemein lässt sich sagen, wer wenig Zeit hat, verweilt nur ein oder zwei Tage in Windhoek, denn Namibia hat noch sehr viel zu bieten, als die Hauptstadt.