…oder: Nara. Wie Ngoc kurzzeitig um sein Leben fürchtete.

Perfekter Tagesausflug: Antikes Nara

Binnen einer Stunde und für günstige 600 Yen reisen wir von Osaka aus (gut 30 Kilometer) in die antike Stadt Nara. Diesmal sind wir bestens vorbereitet: Wir haben Pläne gelesen, Empfehlungen eingeholt und vor allem rechtzeitig abgeklärt, wie wir hinkommen.

Die wichtigsten Stationen in Nara schafft man gut an einem Tag. Einige Tempel und Schreine gehören zum Weltkulturerbe. Und wenn diese einmal besichtigt wurden, bleibt immer noch genug Zeit, um die wilden Rehe zu füttern.

Gedenksteine (Foto: Marina Hochholzner)

Direkt am Bahnhof findet sich in einem Starbucks die Touristeninformation. In sämtlichen Sprachen erhält man hier Stadtpläne, die Mitarbeiter erklären die wichtigsten Stationen in gutem Englisch.

Die Route ist überhaupt nicht schwer – immer geradeaus in die urige Stadt, und im Zweifelsfall einfach den Touristenströmen nach. Schnell ist die erste große Tempelanlage gefunden: Kofuku-ji, vor allem bekannt für seine gigantische fünfstöckige Pagode.

Eine waschechte Tempel-Tour

Die Route führt weiter zu einem der größten und ältesten Holztore Japans. Es ist das Nandaimon Gate, dem die Spuren der Zeit deutlich anzusehen sind.

Holztor (Foto: Marina Hochholzner)

Gegen einen kleinen Aufpreis kann man hier den Tempel Todai-ji betreten, der vor allem wegen seiner riesigen Buddha-Figur im Inneren weltbekannt ist. (übrigens das einzige Mal in Japan, bei dem wir geizig waren – und wir beißen uns immer noch in den A**** deswegen!)

Blog_Tempel mit Budda (Foto: Marina Hochholzner)

Wir steuern gegen Nachmittag einen der höchsten Punkte Naras an – den Nigatsudo Tempel. Denn hier fühlt man sich nicht nur wie in einer alten Samurai-Stadt, sondern hat eine klasse Aussicht.

Aussicht Nara (Foto: Marina Hochholzner)

Doch das eigentlich sehenswerteste ist der Wald aus Steinlampen rund um den Kasuga Taisha Schrein. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte von den ortsansässigen Mönchen errichtet. Viele von ihnen sind noch mit den originalen Papierwänden verschlossen.

Steinlampen (Foto: Marina Hochholzner)

Süßer Flausch mit kriminellem Mastermind

So viele Fotos wir drei auch von den ganzen Tempeln geschossen haben, und so viele Stufen diese – für japanische Verhältnisse – kleine Stadt auch bietet: Vor der Abreise gilt es noch das eigentliche Tagesziel zu erfüllen.

Nämlich das Füttern, Streicheln und Liebhaben der Sikahirsche. Spezielle Kekse werden überall an den Sammelpunkten der Tiere verkauft, und suchen muss man die Huftiere schon gar nicht. Denn sie sind praktisch überall.

Egal, ob man arglos am Bürgersteig ein Eis in der Sonne schleckt, durch Unterführungen auf die andere Straßenseite gelangt oder coole Samurai-Souvernirs betrachtet – immer lässt das Klackern von Hufen auf dem Asphalt die Köpfe in die Höhe rucken, die Augen umher huschen.

NaraHirsch (Foto: Marina Hochholzner)

Schon entdeckt man sie, die Sikahirsche. Sie haben sich perfekt in Naras Alltag integriert, leben in friedlicher Symbiose mit den Einwohnern.

Und diese Tierchen wissen, wie sehr sie im Zentrum des Interesses stehen.

Da findet man die Poser, die für jedes Foto das mächtige Geweih schütteln. Es gibt die Divas, die gar nicht erst für die Kamera stehen bleiben. Es gibt die Chiller, die trotz tausender tatschender Hände am Tag ihr Mittagsschläfchen halten.

Und es gibt die Gangster, die die panischen Touristen ruchlos in die Ecke drängen, ihnen mit ihrer Paarhufer-Gang jeglichen Fluchtweg abschneiden und sie erst wieder laufen lassen, wenn dem armen Tropf auch noch der letzte Keks abgenommen wurde.

Tatsächlich wird auch Ngoc Opfer eines solchen „Überfalls“. Zum Glück kommt er nach freiwilliger Herausgabe der letzten Leckerli-Brösel mit heiler Haut davon.

Ngoc Attacked (Foto: Marina Hochholzner)

Für uns geht es nach einem ereignisreichen Tag zurück nach Osaka. Dank Nara wieder sehr auf den Tempel-und Schreingeschmack gekommen, wird gleich bei Betreten des Hostels das Handy gezückt und das nächste Ziel gegoogelt.

Kyoto ist die wohl meistgepriesenste Stadt Japans. Selbst die Einheimischen quartieren sich wochenlang in der Studentenstadt ein, um die zahlreichen Sehenswürdigkeiten zu bestaunen.

Nach dem ganzen Schlemmen in Osaka und dem Streichelzoo Nara sind unsere Abenteurer bereit, sich wieder die volle kulturelle Dröhnung zu geben. Und Kyoto erscheint der perfekte Ort dafür zu sein. Also worauf warten wir lange? Ikimashou!

Kyoto (Foto: Marina Hochholzner)