Sie nennen ihn „Fuji-san“, also „Ehrwürdiger Fuji.“ Majestätisch ragt die schneebedeckte Spitze in die Höhe. Seine Silhouette ist kilometerweit zu sehen. Auf seinem Gipfel wurde einer Legende nach der Trank der Unsterblichkeit verbrannt.

Zumindest sagen das die Japaner.

Denn die Wahrheit ist ein wenig unromantischer: Aufgrund des sehr feuchten Klimas ist die eisige Spitze des Mount Fujis die meiste Zeit im Jahr in dichte Wolken gehüllt. Nur sehr selten hat man das Glück einen Tag mit klarer Sicht zu erwischen. Warum also ist der Berg trotzdem eine Pflicht-Etappe jedes Japantrips?

Der Kegel des Fuji (Foto: Marina Hochholzner)

Leicht zu erreichen

Praktischerweise befindet sich der höchste Berg Japans dicht an der Hauptstadt. Mit einem Shuttle-Bus ist er zum Beispiel direkt von Tokio aus erreichbar. Am Bahnhof des Viertels Shinjuku starten stündlich die Passagierbusse in das bergige Gebiet rund um den Vulkan.

Anders als die Züge bringt der Shuttle die Touristen für wenig Geld quer durch Berge, kleine Dörfchen und Reisfelder – direkt zum Fuße des Fujis. Übrigens sollte man unbedingt rechtzeitig online oder vor Ort Plätze in den Bussen reservieren.

Denn ohne gebuchte Plätze sitzt man schon mal drei Stunden in der Wartehalle (ja, ich spreche aus trauriger Erfahrung), ehe man durch eine Stornierung nachrückt. Spontane Abstecher an den Fuji macht man von daher vielleicht lieber mit dem Zug über Otsuki.

Bahnstation Kawaguchiko (Foto: Marina Hochholzner)

Fünf Seen und ein Berg

Ist der Fuji schließlich erreicht, so ist das Touristenangebot groß: Wer sich nicht gleich bei einer Bergtour die Muskeln strapazieren will, kann auch erst einmal die kleinen, ländlichen Dörfer rund um den Berg besichtigen.

Hier ist man fernab der Großstadt und findet etwas Entspannung von Trubel und Menschenmassen. Oder man besucht das Fünf-Seen-Gebiet, das sich auf dem Areal des Berges befindet und nutzt die zahlreichen Bademöglichkeiten und Tempeltouren.

Diverse Onsen (heiße Quellen) locken die Besucher mit ihren dampfenden Becken und traditionellen Räumlichkeiten.

Fuji Zimmer (Foto: Marina Hochholzner)

Auch wir haben eine dieser traditionelleren Unterkünfte gewählt und befinden uns in der Nähe von Kawaguchiko, einer der Talstationen des Fujis. Busse bringen die Bergsteiger von hier bis hinauf auf die höchstmögliche Anfahrtsstelle (Mt Fuji 5th Station, knapp 3000m).

Die Sammelstelle dient hauptsächlich dazu, sich an den Höhenunterschied zu gewöhnen, ehe man den restlichen Gipfel erklimmt.

Fuji Busstation (Foto: Marina Hochholzner)

Für die Extremsportler, die den Aufstieg vom Fuße des Berges bis zu seiner Spitze wagen, empfiehlt sich eher der Startpunkt in Gotemba. Wegen dem Klima und unwegsamen Gelände sollte man unbedingt mehrere Stunden für den Trip einplanen.

Besonders viele Touristen steigen in den Nachtstunden hinauf an den ehemaligen Vulkankrater. Von dort aus hat man nämlich einen fantastischen Ausblick auf den Sonnenaufgang über Japan.

Fuji Fünf Seen (Foto: Marina Hochholzner)

Trotz schlechter Sicht ein tolles Ausflugsziel

Leider haben wir drei deutschen Abenteurer Pech mit dem Wetter. Es ist neblig, der Gipfel ist kaum zu erkennen. Für einen Trip hinauf fehlt die nötige Ausrüstung und so muss die Vernunft siegen. Wir sind nicht gegen Schnee und Kälte gerüstet.

Somit wird nach einem Abstecher in den kleinen Bergtempel und einem Blick in den Souvenirshop die Rückfahrt angetreten. Bei gutem Wetter kann man von der 5th Station übrigens das bereits erwähnte Fünf-Seen-Gebiet sehen.

Fuji Schrein (Foto: Marina Hochholzner)

Das Fazit des Trips ist ein sehr lehrreiches: Bei dem Vorhaben, mit dem Shuttle-Bus zum Fuji zu fahren, auf jeden Fall rechtzeitig über die Internetanbieter oder Touristeninformationen einen Platz reservieren.

Und auch, wenn man es bei den knapp 40 Grad in Tokio nicht glauben möchte: Die lange Hose und die Winterjacke sind ein Muss für die Gipfelbesteigung.

Fuji Ngoc Mary (Foto: Marina Hochholzner)

Eine Trennung auf Zeit

Während Ngoc und ich am nächsten Tag bereits früh weiter nach Osaka wollen, bleibt Mane noch einige Stunden im Hostel zurück. Er ist gesundheitlich angeschlagen und möchte sich etwas in der traditionellen Herberge ausruhen.

Deswegen ist er leider nicht dabei, als ich und Ngoc am Bahnhof von Otsuki von begeisterten japanischen Bahnmitarbeitern entdeckt und spontan für die Werbekampagne des neuesten Schnellzugs von Japan angeworben werden.

Fuji Uniformen (Foto: Marina Hochholzner)

Mit Träumen von einer möglicherweise großen Zukunft in der japanischen Werbebranche brechen Ngoc und ich also nach Osaka auf. Doch eine Frage quält uns sonst so wackere Abenteurer: Wird Mane es schaffen, uns in Osaka unter den ca. 3 Millionen Einwohnern wiederzufinden?

Osaka (Foto: Marina Hochholzner)

Das Titelbild stammt von  Pixabay/CC BY koshinuke_mcfly