Es gibt zwei Fakten zu mir und Kaffee: Ich brauche ihn in der Früh für den perfekten Start in den Tag und ich trinke nur guten Kaffee. Und ich meine guten Kaffee.
In Australien hatte ich das Glück, während meines Work-and-Travel-Aufenthalts die Kunst des Baristas erlernen zu dürfen. Ganze sechs Monate lernte ich also, wie man den perfekten Kaffee und die schönste Latte Art zaubert.

Kaffeeliebe in Australien (Foto: Sabina Schneider)

Kaffeeliebe in Australien (Foto: Sabina Schneider)

Jeder, der in Australien war, weiß, dass man kaum schlechten Kaffee finden wird, denn die Australier lieben das braune Heißgetränk und betreiben ihn in einer Perfektion, wie ich es noch nie erlebt habe.

Aller Anfang ist schwer

Ich erinnere mich noch genau an meinen zweiten Tag in Australien, welcher gleichzeitig mein erster Arbeitstag in Perth war. Noch etwas schüchtern stand ich hinten in der Küche des kleinen Imbisses. Keine drei Stunden stand ich dort, als meine damalige Chefin mich nach vorne an die Kasse rief. Mit mittelmäßigen Englisch und den Nachwehen eines Jetlags wagte ich mich nach vorne. Und was bestellte mein erster Kunde? Einen Flat White. Völlig überfordert stand ich da und überlegte, was der Kunde wohl damit meinte.

Coffee to go (Foto: Sabina Schneider)

Coffee to go: australischer Kaffee (Foto: Sabina Schneider)

Flat White – Australiens Kaffee Nummer eins

Heute muss ich darüber fast schon lachen: Die Australier und ihr Flat White, das ist wie eine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte, der ich mir schon bald hingegeben habe. Als ich im Juni 2016 wieder nach Australien kam – na, was glaubt ihr, worauf ich mich am meisten freute: Klar, auf einen echten australischen Flat White. Ein Flat White, wie es kein anderes Land kann. Das muss man ihnen lassen.

Was ist denn jetzt ein Flat White?

Ja, ein kleiner Flat-White-Romantiker bin ich in den Jahren tatsächlich geworden. Was nun ein Flat White ist? Das habe ich sogar in Salzburg an meiner Wand stehen:

… er ist nicht mit einem italienischen Cappuccino zu vergleichen und er ist auch kein Macchiato. Dieser Kaffee besitzt einen ganz besonderen Charakter und ist die Kombination aus einem starken Espresso mit mikro feinem Milchschaum.

Seit den 1980er-Jahren gibt es diese Kaffeezubereitung in Australien und Neuseeland. Anders als der Cappuccino ist der Flat White stärker, mit einem doppelten Espresso-Shot. Die aufgeschäumte Milch ist zudem etwas feinporiger und nicht so dick, wie bei der italienischen Variante eines Cappuccinos oder Macchiatos. Dabei ist es entscheidend, dass „oben drauf“ keine Milchhaube kommt, sondern ein feiner Schaum, so dass eine Latte Art möglich ist. Mittlerweile gibt es den Flat White auch bei uns zu Lande. Allerdings muss ich sagen: Nur in Australien (und Neuseeland) ist er der perfekte Genuss und Start in den Tag.

Als Barista in Australien

Unglaublich, aber in all meinen Reisejahren habe ich nie ein Land kennengelernt, in welchen der Beruf des Baristas ein so hohes Ansehen hat. Man könnte sagen, der „Kaffemacher“ hat in Down Under einen Kultstatus erreicht, von welchen wir noch weit entfernt sind. Während man bei uns zu Lande nur selten guten Kaffee aus einer Espressomaschine, sondern eher aus Vollautomaten erhält, hat jeder Australier nicht nur in den Cafés gute Espressomaschinen, sondern sogar in den eigenen vier Wänden.

Coffeshop in Perth (Foto: Sabina Schneider)

Kaffeetrinken in Perth (Foto: Sabina Schneider)

In Australien legt man also sehr viel Wert auf den perfekten Kaffee. Kaum zu glauben, aber große Kaffeeketten haben es in Australien verdammt schwer, Fuß zu fassen. Starbucks musste dies zum Beispiel am eigenen Leibe erfahren und zwei Drittel seiner Läden schließen. Kein Wunder, denn in ganz Australien gibt es einfach überall schöne und hippe Cafés und sogar der Straßenverkäufer hat eine Espressomaschine und zaubert dir den perfekten Flat White.